Die Provenienzforschung vorantreiben

    Die Provenienzforschung ist heute ein unverzichtbarer Bestandteil der Museumsarbeit und im Basler Museumsgesetz verankert. Das Antikenmuseum Basel hat 2022 eine Strategie zur Provenienzforschung erarbeitet. Als Folge davon wurde eine neu geschaffene Provenienzforschungsstelle eingerichtet. Mit Unterstützung des Bundesamtes für Kultur (BAK) und des Kantons Basel-Stadt erforscht sie systematisch und transparent die Herkunft von Objekten oder Sammlungsbeständen.

    (Bild: © Ruedi Habegger, Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig) Aussenansicht Museum: Das Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig präsentiert 5000 Jahre Kultur aus dem Mittelmeerraum.

    Die Arbeitsberichte der ersten beiden Forschungsprojekte liegen nun vor. Für die Bewertung der Ergebnisse wurde ein museumsintern entwickeltes Kategoriensystem angewendet.

    Forschungsprojekt 1
    Untersuchung der zwischen 1990 bis 2012 für die klassische Abteilung erworbenen Werke: Die vom Kanton Basel-Stadt und vom Bund unterstützte Untersuchung umfasst 92 ausgewählte Werke aus der griechisch-römischen Antike, die zwischen 1990 und 2012 in die Sammlung gelangten. Es handelt sich dabei überwiegend um bedeutende Werke, die sich im Besitz des Museums befinden und mehrheitlich aus Schenkungen und Legaten stammen. Gemäss den vorläufigen Ergebnissen wurden 20 Werke als unauffällig bzw. unbedenklich eingestuft (Kategorien A1 und B). Weitere 65 Werke sind lückenhaft dokumentiert und haben auffällige historische Erwerbsumstände (Kategorie C). Diese werden nun veröffentlicht, um zusätzliche Hinweise zu erhalten.

    Forschungsprojekt 2
    Ergebnisse der Untersuchung der zwischen 1970 und 1989 geschenkten oder vermachten Sammlungen: Im zweiten vom Kanton Basel-Stadt finanzierten Forschungsprojekt wurden 2024 fünf Sammlungskonvolute untersucht, die zwischen 1970 und 1989 als Schenkungen oder Legate ins Museum gelangten. Insgesamt wurden die Provenienzen von 338 ausgewählten Objekten auf ihren Erwerbungskontext geprüft. Über die Hälfte der Werke (185) ist vor 1970 historisch belegt und wurde zum Zeitpunkt der Beurteilung als unauffällig bewertet (Kategorien A1 und B). Weitere 115 Werke sind erst nach 1970 nachweisbar, sind lückenhaft dokumentiert und weisen in Einzelfällen auffällige historische Erwerbsumstände auf (Kategorie C). Auch hier erhofft sich das Antikenmuseum durch die Veröffentlichung weitere Hinweise.

    Positiv hervorzuheben ist, dass kein Werk in die Kategorie D eingestuft wurde. Die verbleibenden 38 Werke wurden deutlich vor Inkrafttreten der UNESCO-Konvention von 1970 erworben. In ihrer Historie finden sich dennoch auffällige oder vereinzelt problematische Erwerbsumstände (Kategorie A2). Für diese Fälle sind vertiefte Recherchen und gegebenenfalls eine Kontaktaufnahme mit den Herkunftsländern geplant.

    Provenienzforschung als Daueraufgabe
    Die archäologische Provenienzforschung untersucht die Herkunft von Kunstwerken im umfassenden Sinn. Ziel ist es, anhand der vorhandenen Dokumente die Geschichte der Objekte und ihre Besitzerketten von der Entdeckung bis zum heutigen Standort zu rekonstruieren und nach festgelegten Kriterien zu bewerten. Während sich die Provenienzforschung in der Schweiz bislang vor allem auf NS-Raubkunst und seit einigen Jahren verstärkt auch auf koloniale Kontexte konzentrierte, betreten Museen im Bereich der antiken Kunst weltweit Neuland. Erfahrungswerte sind rar, Methoden und Standards werden fortlaufend diskutiert und weiterentwickelt. Jedes Kunstwerk stellt einen Einzelfall dar: Beim ursprünglichen Erwerb standen meist kunsthistorische oder qualitative Überlegungen im Vordergrund, nicht die lückenlose Dokumentation. Deshalb sind viele Unterlagen unvollständig, und frühere Besitzerketten lassen sich oft nur teilweise nachvollziehen. Die Resultate der Provenienzforschung sind daher Zwischenergebnisse. Sie werden veröffentlicht, um weiteren Personen, Institutionen oder Behörden die Möglichkeit zu geben, zusätzliche Hinweise beizusteuern.

    Die laufenden Ergebnisse sind auf der Website des Museums einsehbar. Im eigens eingerichteten Provenienzforschungsraum des Antikenmuseums, der Teil des öffentlichen Rundgangs ist, erhalten Besucherinnen und Besucher Einblick in die aktuellen Arbeiten. Provenienzforschung bleibt ein fortwährender Prozess – und auch künftig eine Daueraufgabe des Antikenmuseums.

    pd

    www.antikenmuseumbasel.ch

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